Zum Bewerbungsverfahren für Baugruppen, Wien 22., „OASE 22+“

Derzeit laufen vier Verfahren für Baugruppen in Wien: im Areal Neu-Leopoldau, im „Wildgarten“ am Rosenhügel, in der Seestadt und aktuell in der „OASE 22+“. Die Initiative für gemeinschaftliches Bauen und Wohnen begrüßt diese Vielzahl an Ausschreibungen und Grundstücken. Wir sehen dies als positiven Beitrag zur Förderung von Lebensentwürfen und als positive Entwicklung für die baukulturelle Diversität. Als positive Entwicklung gegenüber dem Verfahren in Neu-Leopoldau erachten wir bei dem Verfahren in der OASE 22+ die Bauplatzgröße mit 80 Wohneinheiten, sowie die mögliche Aufteilung in jeweils 40 Wohneinheiten.

Dennoch müssen wir zur aktuellen Ausschreibung kritisch festhalten, dass wir den Zeitraum von sechs Wochen vom Zur-Verfügung-Stellen der Ausschreibungsunterlagen bis zur Abgabe als zu wenig Zeit erachten. Die in der Ausschreibung geforderte Zahl eines Drittels der geplanten Gesamtzahl der künftigen BewohnerInnen ist derart kurzfristig nicht einmal dann sicherzustellen, wenn bereits ein Netzwerk besteht und die Gruppe über notwendiges Wissen und professionelle Beratung verfügt. Die vorgegebene Zeitschiene reduziert zudem die Möglichkeiten der Informationsverbreitung auf ein absolutes Minimum und schließt viele potenziell interessierte Menschen auch deshalb von vornherein aus.

Geht man davon aus, dass für eine Einreichung erst ein Konzept zu formulieren ist, um Gleichgesinnte zu finden, Prozessbegleiter angesprochen und ausgewählt werden müssen, sowie Gespräche mit Bauträgern und Architekten geführt werden müssen, so erscheinen die in der Ausschreibung geforderten Kriterien für Menschen, die sich erst mit Wettbewerben vertraut machen müssen als unrealistisch. Kriterien wie „Gruppenstabilität“, ein „nachvollziehbares Finanzierungskonzept“ oder die Darstellung „der geplanten Rechts- und Organisationsform“ sind Kriterien, die ein hohes Maß an Wissen voraussetzen und in einem Zeitraum von sechs Wochen kaum plausibel erarbeitet werden können. Das wiederum wirkt sich negativ auf die Möglichkeit der Diversität der Gruppen und der eingereichten Konzepte und auf die Qualität der Einreichungen aus und hat letzten Endes negativen Einfluss auf das Bild von Baugruppen in Wien insgesamt.

Zum Vergleich: Für das Bewerbungsverfahren für Baugruppen in der Seestadt „Am Seebogen“ stehen viereinhalb Monate vom Download der Ausschreibungsunterlagen bis zur Abgabe der Beiträge zur Verfügung. Wird bereits in der ersten Verfahrensstufe zu wenig Zeit gegeben, so führt dies zwangsläufig zu einer geringen BewerberInnenzahl und ist aus unserer Sicht Nahrung für jene Stimmen, die die Nachfrage nach Baugruppen bestreiten. Ähnliches ließ sich bereits in Neu-Leopoldau beobachten. Bei einer längeren Vorlaufzeit und gut vorbereiteten Verfahren lässt sich hingegen eine konstant vorhandene Nachfrage verzeichnen.

Wir schlagen daher dringend eine Verlängerung der Frist bis zur Abgabe der Unterlagen in der ersten Stufe um mindestens drei Monate vor.

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Veröffentlicht am 21. April 2017, in Uncategorized. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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