Vereinsziele

Ziele für die aktive Förderung von Bau- und Wohngruppen

Die im Herbst 2009 ins Leben gerufene Initiative für gemeinschaftliches Bauen und Wohnen will die Schaffung rechtlicher, organisatorischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen erreichen, die es Menschen erleichtert, selbstbestimmte, gemeinschaftliche Wohnbauprojekte zu initiieren und umzusetzen.

Wir setzen uns ein für:

die Berücksichtigung von Baugruppen bei der
Parzellierung von Baugrund ,

 

die Reservierung geeigneter Grundstücke zur
Vergabe an bauwillige Gruppen durch die
öffentliche Hand,

 


die Anpassung der Wohnbauförderbedingungen,



neue Träger-, Finanzierungs- und Kreditmodelle,



die Einrichtung einer Agentur als professionelle
Struktur zur Information über Baugruppen.


Wohnbau und Stadtentwicklung zusammen denken – partizipative Wohnformen und kleinteilige Strukturen ermöglichen!

 Stellungnahme der Initiative für gemeinschaftliches Bauen und
Wohnen zur “Wohnbauoffensive 2011”

Im Rahmen des kurzfristig anberaumten Calls zur sogenannten “Wohnbauoffensive 2011“ fördert die Stadt Wien unter Ausnutzung des derzeit günstigen Zinsniveaus die Schaffung leistbaren Wohnraums. Innerhalb dieser Maßnahme werden auch Grundstücke aus dem Liegenschaftsmanagement (MA 69) zur Errichtung frei finanzierten Wohnbaus vergeben, wobei die Mietpreisbindung nur für 10 Jahre gesichert ist. Die Vergabe der 500 Millionen Euro Darlehen erfolgt nach einer lediglich zweiwöchigen Bewerbungsfrist an Konsortien aus großen Bauträgern und Finanzdienstleistern. Die geschätzten 7.500 Wohnungen, die dadurch errichten werden sollen, werden als „Ergänzung zum geförderten Wohnbau“ bezeichnet.

Die 2009 ins Leben gerufene Initiative für gemeinschaftliches Bauen und Wohnen setzt sich für einen kleinteiligen und nutzerbeteiligten Städtebau und Wohnbau als Ergänzung zur bestehenden Praxis ein. Wir begrüßen die grundsätzliche Entschlussfreudigkeit des Wohnbaustadtrates und die Schaffung von alternativen Möglichkeiten der Finanzierung und der Grundstücksbeschaffung im Wiener Wohnbau.

Doch besonders im Rahmen eines offensiven Wohnbaus müssen kleinteilige Bebauungsstrukturen mitgedacht werden, die geeignet sind, das Stadtbild zu beleben und als soziale Motoren in neuen Stadtentwicklungsgebieten dienen können. Die von der „Wohnbauoffensive 2011“ angelegte extreme Großmaßstäblichkeit ist für uns ein enttäuschendes Signal.

Weitere Skepsis, die wir mit einer breiten Basis der ArchitektInnenschaft teilen, ruft bei uns zudem der äußerste Termindruck, die fehlende Benennung von Qualitätskriterien bzw. die Umgehung von  für Bauvorhaben dieser Größenordnung sonst verpflichtender Wettbewerbe und der Verzicht auf die Einbindung der Architekturschaffenden hervor. Zumal im rot-grünen Regierungsübereinkommen fixiert wurde, dass „faire, wirtschaftliche, transparente und qualitätssichernde Vergabe- und Wettbewerbsverfahren für alle Planungs- und Bauvorhaben gelten sollen, die im mittelbaren und unmittelbaren Einflussbereich der Stadt Wien realisiert werden.”

Zahlreiche internationale Beispiele zeigen, dass Baugruppenprojekte einen substanziellen Beitrag zur Förderung sozialer Nachhaltigkeit und Integration sowie zur Aktivierung bürgerschaftlichen Engagements im Wohnumfeld leisten. Als Initiative für gemeinschaftliches Bauen und Wohnen streben wir die Schaffung legislativer Maßnahmen wie die Reservierung geeigneter Grundstücke zur Vergabe an bauwillige Gruppen durch die öffentliche Hand an sowie die Berücksichtigung von Baugruppen durch kleinteiligere Parzellierung von Baugrund.

Die „Wohnbauoffensive 2011“ wäre in einem Call mit klar formulierten Qualitätskriterien wie beispielsweise  der Sicherstellung kleinteiliger städtebaulicher Strukturen, funktionaler Durchmischung und einer längeren Bewerbungsfrist ein hervorragendes Mittel zum Austesten solcher Potenziale gewesen. Instrumente wie die in der Wohnbauförderung vorhandene Möglichkeit der Bürgschaft durch die Stadt für die Sicherung der Finanzierung von Baugruppen würden deren Umsetzung erleichtern. Allein die Bereitstellung kleiner Grundstücke an Gruppen von Bauwilligen zu gleichen Konditionen wie für Bauträger hätte die Bereitschaft der Stadt in dieser Hinsicht deutlich machen können. Diese Chance wurde vertan.

Wir schließen uns den Forderungen der Plattform für Architekturpolitik und Baukultur nach transparenten Vergabeverfahren und Qualität sichernden Maßnahmen an, um kooperative und partizipative Planungsprozesse sowie den qualitätsorientierten Einsatz der Mittel zu gewährleisten.
Wien, Mai 2011

Der Vorstand der Initiative

Ernst Gruber
Petra Hendrich
Robert Temel
Constance Weiser
Annika Schönfeld
Thomas Dimov
Gernot Tscherteu
Raimund Gutmann

Initiative für gemeinschaftliches Bauen und Wohnen


%d Bloggern gefällt das: